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Aus dem SFZ Hamburg

"Astro-Talk" aus dem SFZ Hamburg – Frag Dr. J.!

Liskes Leidenschaft fürs schwarze Loch

Was ist ein schwarzes Loch? Warum kann man es sehen? Was ist am anderen Ende? Rund 50 Hamburger Schüler*innen, die in ihrer Freizeit am SFZ Hamburg forschen, hatten via Live-Stream die Gelegenheit Prof. Dr. Jochen Liske, alias Dr. J., mit ihren Fragen zu löchern.

Der Astronom und Astrophysiker, bekannt aus dem Nasa-Video „Hubblecast“, folgte der Einladung von Dr. Janine Radtke, Geschäftsführerin des SFZ Hamburg. Und das sehr gern. Der Grund: Es darf aus seiner Sicht noch viel mehr nach schwarzen Löchern geforscht werden. Ging doch erst in diesem Jahr der Physik-Nobelpreis u.a. an einen deutschen Astrophysiker, der ein supermassives Loch in der Milchstraße entdeckt hat.
Die Schüler*innen lernten viel über Liskes Leidenschaft, das Universum, seine Suche nach dunkler Materie und sein Interesse daran zu verstehen, wie Galaxien entstehen.
Die virtuelle Wissensreise in den Weltraum begann. Sie führte zu einem Objekt, dessen Masse auf ein extrem kleines Volumen konzentriert ist. Und eine so starke Gravitation erzeugt, dass nicht einmal das Licht diesen Bereich verlassen oder durchlaufen kann. Liske erklärt, dass schwarze Löcher sehr wenig Eigenschaften aufweisen, höchstens Masse, elektrische Ladung und einen Drehimpuls. „Schwarze Löcher sind eigentlich unsichtbar“, so Liske. „Sehen kann man sie überhaupt nur anhand der Gravitationswellen, der Bewegung der Sterne um sie herum, und weil viele Teleskope auf der gesamten Welt zusammengeschaltet werden und damit ein virtuelles Teleskop ergeben, das so groß ist wie die Erde“.
Und mit einem Irrtum räumt Liske auf: „Ein schwarzes Loch ist kein kosmischer Staubsauger, der alles was in seine Nähe kommt, ansaugt.“ Nur seine extreme Dichte –nicht etwa die besonders starke “saugende” Gravitationskraft – führt dazu, dass die Raumzeit so stark gekrümmt wird, dass etwas, das einmal eine bestimmte Grenze überschritten hat, nicht mehr zurück kann, nicht einmal Licht.
Die Frage eines Schülers, was am anderen Ende eines schwarzen Lochs ist, lässt sich (noch) nicht beantworten. „Vielleicht ein weißes Loch, ein Wurmloch oder einfach gar nichts. Stellt euch am besten einen endlosen Brunnen vor, das beschreibt es momentan am ehesten“. Der Physiker fordert die Schüler*innen auf, das herauszufinden. Schließlich bringen sie alles mit, was ein kluger Kopf braucht: Forschergeist und Fantasie und einen Ort, wie das SFZ Hamburg, das sie auch bei kniffeligen Fragen professionell unterstützt.
Die Frage „Wie kann man schwarze Löcher sehen, obwohl sie schwarz sind?“ einer Schülerin ist hingegen schnell beantwortet: „Sie verraten sich durch das Licht aus ihrer Umgebung“, sagt Liske.
Für die vielen Fragen der jungen Menschen ist am Ende die Zeit zu knapp, aber Liske ist so begeistert, dass er der Astro-AG des SFZ Hamburg die Unterstützung der Hamburger Sternwarte mit Teleskopen verspricht.
Ein erfolgreiches Zusammentreffen. „Wir werden euch auch in Zukunft weiter auf den Weg zu den Sternen begleiten“, sagt Dr. Radtke und beendet damit den bereits zweiten Ausflug der SFZ Forscher*innen ins Weltall.
Wir haben alle Fragen gesammelt und nehmen sie mit in unsere Astro-AG, die wir unter der Leitung von Claudio und Frank ab dem 18.12.2020 in der Grindelallee 117 anbieten. Wer mitmachen möchte, klickt hier und meldet sich gleich an.
Wer mehr wissen will: Forschende aus dem Exzellenzcluster „Quantum Universe“ der Universität Hamburg haben die Spiele-App „Trapped in Gravity“ entwickelt. Sie zeigt Einblicke in die Physik rund um Masse, Anziehungskräfte und Schwarze Löcher. Der Anziehung eines schwarzen Lochs zu entkommen, ist nicht so leicht. Versucht es doch gleich selbst einmal.
Der Vortrag wurde vom Medienkompetenzzentrum der Universität Hamburg aufgezeichnet und steht auf lecture2go.uni-hamburg.de zum Nacherleben zur Verfügung.